Trau Dich!

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Es ist nie zu spät, mal etwas zu machen, das man noch nie gemacht hat. Vor 1,5 Jahren habe ich mir ein neues Auto gekauft und mich von meinem alten Volvo Kombi verabschiedet. Bei dem habe ich ja allerhand Kleinigkeiten selbst repariert. Leuchtmittel auszutauschen war da ein Klacks. Selbst Scheinwerferverblendungen nur teilweise auszutauschen und neues mit altem Material zu ergänzen ging problemlos. Das war ja alles eine sehr übersichtliche und robuste Geschichte.

Ganz anders dagegen bei diesem neumodischen Kram. Alles ist eng, abgerundet, hinter irgendeinem fixierenden und schützenden Kunststoffzeug versteckt. Das mag funktional sein, dient aber, wie ich vermute, auch dazu, dass man nichts selbst dran rumfummelt. Als im Februar dann die erste Birne im vorderen Scheinwerfer kaputt war, hab ich die Kiste in das Autohaus am Ort gebracht. Schließlich hatte ich den Wagen dort gekauft und die versichterten mir glaubhaft, dass sie so freundlich wären, bei solchen Geschichten keine Arbeitszeit zu berechnen, sondern nur den Materialpreis. Das fand ich super! Sehr guter Service. Das Auto dort gekauft zu haben, fühlte sich gleich noch mal besser an.

Ungefähr so lange, bis ich die Rechnung sah.

24,45 €

Da blieb mir glatt die Spucke weg. Nicht nur, dass ich es ohnehin unerklärlich fand, dass nach etwas über einem Jahr ein Birnchen kaputt geht, wo ich doch bei meiner alten Kiste (trotz stetiger ‚Tagbeleuchtung‘) in 7 Jahren nur zwei Vorderscheinwerferbirnen wechseln musste und eine der hinteren Blinkleuchten… Jetzt suchte ich vergeblich nach der Feingoldauflage, die das Material bei diesem Preis haben musste.

Gestern nun war es wieder so weit. Diesmal blieb die andere Seite dunkel. Mein Partner rief das Autohaus an, um einen Termin zu machen. Auf seine Nachfrage hin, warum diese Birnen denn so schnell kaputt gingen, wurde ihm beschieden, das Material heute sei einfach so schlecht, dass es bei Erhitzung und gleichzeitigem Durchfahren von Schlaglöchern schon mal einfach ‚knack‘ in der Glühwendel machen würde. – Aha. Schlechtes Material. Wenn ich mir überlege, dass ich für ein PAAR H7-Birnchen zwischen 6 und 20 Euro bezahle (o.k. man KANN auch 35 zahlen, aber das ist ein preislicher Ausreißer im Angebot), dann kann ich von einem einzelnen Birnchen, das mich 24,45 kostet eigentlich schon erwarten, dass das kein minderwertiges Material ist. Ich war, gelinde gesagt, etwas irritiert.

Die Irritation wuchs sich schnell zum Sauer-Sein aus. Ich hatte mich beim letzten Mal ja schon tüchtig geärgert und hatte nicht vor, mich weiter nasführen zu lassen. Also: andere Werkstatt angerufen. Die Leute da sind mir ohnehin viel sympathischer und haben mein altes Schätzchen zu reellen Preisen repariert. Leider ging da niemand ans Telefon.

Wozu Wut doch alles gut sein kann: Ich also noch mal raus an die Kiste. Motorhaube auf. So schwer kann das nicht sein. Ein Automechaniker braucht garantiert keine 5 Minuten für so einen Wechsel. Nicht mal, wenn alles gut verpackt ist. Und: siehe da.  Es geht. Ohne Werkzeug. Frau muss nur die Traute haben.

Diese Frau hat sie!

Nachdem ich erfolgreich die alte Birne aus- und wieder eingebaut hatte, bin ich zur Tanke gefahren und habe dort ein Birnchen mit Feingoldauflage gekauft. Immer noch um die Hälfte günstiger als im Autohaus. 14 km zu fahren, um im Baumarkt Material zu shoppen, hatte ich einfach keine Möge mehr gestern, weil eh ein harter Tag war. Und weil es mich nervös macht, wenn mir Nachbarn oder gar der eigene Kerl auf die Finger schauen können, wenn ich etwas zum ersten Mal mache, bin ich auf einen Parkplatz gefahren, auf dem wenig Betrieb ist. Motorhaube auf. Wasserschutz runter. Stecker ab. Birnchen raus. Birnchen rein. Stecker drauf (nach Gefühl… wegen ohne Sichtkontakt… fummelfummel). Wasserschutz druff. Motorhaube zu. Licht an. Funzt.

Sehr schön!

Den Rest des Tages hat mir die Aktion gute Laune beschert. Ich kann so was. Ich bin lernfähig. Eigentlich gibt es nicht viel, was ich nicht lernen könnte… wenn ich will. Manchmal will ich. Ich werde mir jetzt ein paar ADAC-getestete Birnchen besorgen, die eine hohe Lebensdauer haben und die werden eingebaut, wenn die jetzigen dann das Zeitliche segnet. Ich freu mich schon drauf. Und die nächste Herausforderung kommt bestimmt!

Mach Dich unglücklich!

Eine kleine Anleitung in x Lektionen.

Kapitel I

 

Eine gute Idee ist es, sich kurz bevor man vorhat sich in eine gute Stunde Hausarbeit zu stürzen, die Fingernägel neu zu lackieren. Am besten mit mehreren Schichten. Das hinterlässt tiefere Eindrücke.

Einzelkind

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In der Welt, in der ich aufwuchs, hatte eine typische Familie zwei bis drei Kinder. Die Freunde meiner Kindheit gehörten samt und sonders zu solchen Musterfamilien. Wenn’s keine zwei Kinder waren, dann drei; wenn nicht drei, dann zwei. Familien mit sechs oder sieben Kindern waren die Ausnahme, aber noch seltener waren Familien mit nur einem Kind.

Wie es der Zufall wollte, war ich eine dieser Ausnahmen, denn ich war ein Einzelkind. Ich hatte deswegen einen Minderwertigkeitskomplex, als sei irgend etwas  an mir abnorm, da mir etwas fehlte, was alle anderen hatten und als selbstverständlich betrachteten.

Ich verabscheute das Wort Einzelkind. Jedesmal, wenn ich es hörte, hatte ich das Gefühl, mir fehle etwas – als sei ich kein ganz vollständiger Mensch. Das Wort Einzelkind pflanzte sich vor mir auf und deutete vorwurfsvoll auf mich.  „Da hapert’s, Junge“, sagte es zu mir.

In der Welt, in der ich lebte, war man allgemein der Überzeugung, Einzelkinder seien verzogen, schwach und egozentrisch. Daran war nicht zu rütteln – so wenig wie an der Tatsache, dass das Barometer fällt, je höher man steigt, und dass Kühe Milch geben.

aus: Gefährliche Geliebte, von Haruki Murakami

Happy Birthday Querfühler!

Da ahnt frau nix, als sie den morgendlichen Blogbesuch absolviert und findet Glückwünsche zu ihrem ersten Bloggeburtstag angezeigt! Das ist ja ein Ding! Wirklich? Ist das jetzt ein Jahr her? Möchte ich Rückschau halten… mir noch einmal vor Augen führen, was in diesem Jahr bloggenderweise so passiert ist?

Hm. Mal überlegen.

Gibt es etwas, was ich zu diesem Ereignis teilen möchte… was überhaupt teilenswert wäre? Bis mir die Antwort einfällt, erst einmal feiern…

 

Vielleicht ein bisschen Statistisches zu Beginn: 120 Beiträge, 245 Kommentare, 4791 Aufrufe, 54 Follower. – Aha. Dann wissen wir dás. Aber was sagt das schon? Sind mir Zahlen eine Motivation zu schreiben? Indirekt vielleicht schon. Es gibt ja einen Grund, warum ich mich vor einem Jahr entschieden habe, Blog zu schreiben und nicht Tagebuch… Ich wollte, was in meinem Kopf ist, mit anderen teilen. Mit möglichst vielen Menschen. Wenn ich mir den letzten Satz so begucke… dann denke ich: Da ist noch eine ganze Menge Luft nach oben 😉

Wenn ich so weiter auf die Statistiken blicke, fällt natürlich sofort ins Auge, dass ich zwei Monate lang voller Enthusiasmus gestartet bin mit 26 und 31 Beiträgen. Ich hatte Flow. Das hat sich super angefühlt. Und dann kam der August und mit ihm bin ich eingebrochen… was aber auch kein Wunder war: Ich habe meinem Job, den ich freiberuflich ausgeübt habe, hingeschmissen. So schmerzhaft es war, ich war in dem Team, in dem ich gearbeitet habe, total ausgebrannt. Die Blogschreiberei hatte mir noch zwei Monate lang eine glücklichmachende Alternative gegeben… aber im August ging kein Weg mehr daran vorbei, ich musste gehen. – Und dann ging erst einmal gar nichts mehr. Ich hatte ganz viel Zeit und konnt mit ihr rein gar nix anfangen. Jetzt hätte ich all die Artikel schreiben können, zu denen ich vorher nicht gekommen war, weil mir Zeit und Muße fehlten. Aber jetzt war nur Leere in mir. Monatelang. Uff.

Ich glaube, wenn Paleica mich nicht geweckt hätte, wäre ich nicht wieder aktiv geworden… hätte spätestens jetzt, bei der Erkenntnis, dass ein Jahr rum ist und ich nicht regelmäßig schreibe, das Projekt Querfühler-Blog für gescheitert erklärt. Aber dankenswerterweise ist es anders gekommen. Sie hat mich nicht nur durch Ihre etwas besorgte Nachfrage, warum es hier so still wäre, geweckt… sondern ich bin auch aufgestanden!

Und weil das Aufstehen mir leichter fällt, wenn ich eine Aufgabe habe, habe ich mir gleich welche gestrickt. So ist mir ein Blog nach dem anderen von der Tastatur gehüpft: Einer für meine fotografischen Geschichten (da wollte ich nämlich einen genußunterstützenden Hintergrund, der die Bilder besser zur Geltung bringt), einer für ein 365-Tage-Fotoprojekt, einer für ein Entsorgungs-Loslass-Erkenntnis-Projekt und einer für Gedanken zur Gewaltfreien Kommunikation. Für den letzten braucht es noch etwas mehr Mut, mich da zu zeigen, aber mit den anderen bin ich so weit ganz zufrieden. Im Moment tritt die leidenschaftliche Fotografiererei gerade etwas in den Hintergrund, weil ich mich mit einem Mittelfußbruch durch die Gegend humpele… aber das wird schon wieder.

Was mir viel Freude macht ist, dass ich mir meine Vielfältigkeit bewahrt habe, auch wenn es jetzt mehrere Blogs gibt und nicht mehr alles, wie zu Anfang von mir geplant, an einem Ort versammelt wird. Irgendwie erschien mir das, als ich im März wieder anfing zu schreiben, nicht mehr stimmig. Ich wollte mehr Klarheit (jedenfalls für die Bereiche Fotografie und Gewaltfreie Kommunikation) und mich selbst auch an den unterschiedlichen Formaten freuen. Bilder wirken einfach schöner vor dunklem Hintergrund… für Texte ist das, jedenfalls für meine Augen… eher quälend. Wir werden sehen: vielleicht entscheide ich mich irgendwann wieder um. Aber momentan gefällt mir alles so, wie es ist.

Habe ich Pläne für die Zukunft? Für diesen Blog hier? Hmmm…

Ich möchte einfach weiter dranbleiben. Ja. EINFACH. Ich möchte weiter Leichtigkeit haben und mich nicht verpflichtet fühlen. Ich möchte wieder regelmäßiger Kochrezepte posten. Ich koche zwar derzeit auch wirklich weniger neue Sachen… aber das steht trotzdem in keinem Verhältnis zu der ‚Lücke‘, die hier im Blog diesbezüglich momentan klafft.

Wenn mein Fuß es wieder zulässt, möchte ich wieder mit der Kamera kleine Gefühls- und Bedürfnisreisen unternehmen. Mal schauen, in welchem Blog ich das dann platziere (passt ja gleich in dreien).

Ich hätte auch Lust, mal eine Aktion zu starten… aber da denke ich momentan noch: das müsste schon ganz was Besonderes sein, damit die Leute sich auf NOCH ein Projekt einließen. Denen geht es bestimmt so wie mir, dass sie mehrere am Laufen haben und manchmal gar nicht mehr hinterherkommen.

Jetzt erst einmal genug der Worte. Ich koch mir noch einen Geburtstagskaffee mit lecker Milchschaum und sinniere ein wenig über das Wo-komm-ich-her-wo-will-ich-hin nach.

Habt einen schönen Tag!

Glas-Scribbleei

IMG_6982Scribblen geht auch auf Glas 😉

 

Nachtrag fom 9.6.: Leider stellt sich heraus, dass die Bemalung nicht grifffest ist. Bei der momenten Hitze wird die Farbe klebrig und wird durch schwitzige Hände verwischt. Gar nicht zufriedenstellend. Ich habe mal bei Edding eine Anfrage diesbezüglich gestartet. Mal schauen, welche Lösungen sie anbieten.