An die Anna in mir

 

 

Oh Du, Geliebte meiner ungezählten Träume, ich wähne Dir!

Ich, meiner, mich mir, Du mir, ich Dir, —- wer?

Das gehört auf jeden Fall hierher!

Wer bin ich, unverschämtes Luderweib, ich bin, bin ich?

Die Leute flüstern, ich wäre.

Lass sie schreien, sie wissen wohl, wo der Hammer hängt.

Ich trage den Wind in meinen Haaren und gehe über Schmetterlingsflügel,

auf Schmetterlingsflügeln tanze ich.

Potzblitz, meine fahlen Klamotten, in Fetzen gerissen,

Nackt liebe ich mich, frei liebe ich mich.

Ich, meiner, mich mir, Du mir, ich Dir, —- wer?

Das gehört auf jeden Fall zu mir!

Wilde, nackte Verrückte, wie hetzen die Leute?

Rätsel:

  1. Ich hab einen Knall.
  2. Ich bin der nackte Wahnsinn.
  3. Wieviel Dezibel hat der Knall?

Laut ist der Gesang meiner leisen Lieder.

Wild ist das Wasser meiner sanften Seele.

Ich glühendes Weib im Rampenlicht,

Ich freches schnelles Tier, ich wähne mir!

Ich meiner mich mir, Du mir, ich Dir, —- wer!

Das gehört, ihr könnt es euch denken —- genau hierher.

Anna in mir, Anna, A—-N—-N—-A!

Ich atme meinen Namen.

Mein Name steigt empor wie linder Frühlingswind.

Ich weiß es, weiß ich es schon?

Man kann mich auch von allen Seiten lieben.

Und ich, ich Einzige von allen,

weiß manchmal nicht, wie ich mich lieben kann.

Winterwind zwickt  mein Gesicht,

zieht Lippen mir zusammen.

Ich wunderliches Tier,

ich —– wähne —– mir!

 

 

***

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Ich war mir (fast) sicher

 

Gerade las ich bei Nina einen Text, der mich direkt inspirierte, ihn für mich umzuwandeln, mit eigenen Sichten und Erlebtem zu füllen. Danke für die Inspiration, Du Wunderbare!

 

 

ich war mir sicher,

es gäbe dich.

ich fand dich.

erst irgendwo da draußen,

dann bei dir und bei mir.

wir trafen uns.

du warst mir nah

und ich dir.

ich war mir – naja –

fast sicher.

aber dieses ‚fast‘ reichte mir.

sicherheit war mir nicht so wichtig.

es fühlte sich richtig an.

auch in fast 10 jahren

änderte sich daran nicht viel.

bis ich mich

nicht mehr richtig anfühlte

für dich.

Ich schaue zurück

und stelle fest:

für mich war es richtig.

ohne zweifel.

 

 

***

Unerwartetes Angebot

Mein letzter Tag in Belgien. Ich nehme allein Abschied vom Meer, von den zurückliegenden Tagen, Monaten, Jahren. Von dem, was gut war und von den schmerzhaften Dingen. Ich verlangsame meine Gedanken so lange, bis ich fühlen kann: jetzt ist alles, was zählt.

Und was ich dann fühle ist: Jetzt gerade ist alles gut. Nichts, was gerade an irgendeinem anderen Ort, in irgendjemand anderes Leben, in irgendjemandes Kopf gerade jetzt passiert, spielt irgendeine Rolle. Gerade jetzt… ist Frieden. Und so soll es sein.

Solange ich bei mir bin, bin ich nicht allein.

Und während ich diesen Frieden noch so genieße und Sonne und Wind auf meiner nackten Haut fühle, da nähert sich mir ein Mann. Er bleibt in mir angenehmem Abstand vor mir stehen, nimmt die Sonnenbrille ab und beginnt zu sprechen: „Ich möchte Ihnen respektvoll eine Frage stellen: Wären Sie eventuell an Sex interessiert? Es ist sehr selten, dass Frauen hier allein herkommen. Meist sind es Männer… und die meisten sind schwul.“

Aus diesem Angebot entspann sich ein kurzer Dialog. Ich konnte ihm sagen, dass ich sein Angebot sehr zu schätzen weiß und die Art, wie er mich respektvoll fragt, angenehm finde. Und dass es mir leid täte, ihm sagen zu müssen, dass ich momentan nicht interessiert sei.

Darauf verabschiedet er sich, nicht ohne mir noch einmal zu sagen, dass es ihm eine Freude war, mich anzusprechen, dass ich eine wirklich attraktive Frau sei und er mein ’nein‘ sehr gut hören könne. Er wünschte mir noch einen schönen Abend und erholsame Tage am Meer…

Er ließ mich mit einem Lächeln zurück. Einen Moment zögerte ich, ob ich ihm hinterherschauen sollte. Ich tat es dann doch. Registrierte noch einmal, welch körperliches ‚Sahneschnittchen‘ ich da gerade hatte vorbeiziehen lassen… und freute mich einfach nur des Moments.

Ja. Alles ist gut.

 

farben

 

die traurigen farben,

in die ich mich hüllte,

weil du sie an mir liebtest,

ich streife sie ab.

ich tanze nackt.

 

ich schlüpfe in farben,

die zeigen, wer ich bin.

ich bin kräftig.

ich bin sanft.

ich bin heiter.

ich bin laut.

ich bin lebendig.

ich bin schrill.

ich bin zart.

 

ich bin die, mit den blumen.

die, mit den mustern.

die, die lila-rot-orange feiert,

in pastell schwelgt

und muster mag,

die andere als testbild

bezeichnen würden.

 

ich bin, die ich bin.

 

ich höre auf, mich dir zuliebe

zu verstecken.

ich weiß:

das wolltest du nie.

du hast es nicht gefordert.

 

aber ich habe die skepsis in deinen augen gesehen,

wenn ich in deiner heimat die war, die ich bin.

ich habe das leuchten in deinen augen gesehen,

wenn ich mich in gedeckte farben gekleidet habe.

 

du nanntest sie natürlich.

sie entsprechen deiner natur.

du konntest dich in ihnen wiederfinden.

du konntest dich in mir sehen.

 

ich habe das gern für dich gemacht.

ich habe es aus liebe getan.

ich habe angefangen,

das schwere, traurige,

deiner natur entsprechende zu lieben.

 

weil ich dich liebte.

weil ich wollte, dass du das bekommst,

was du dir wünschst.

ich wollte der spiegel sein,

in dem du dich wiedererkennst.

 

dabei habe ich mich selbst

immer mehr zugedeckt.

bin leiser geworden.

grauer, brauner, fahler, … beige.

 

dabei waren es nicht diese töne,

in die du dich verliebt hast.

du hast dich in die verliebt,

die ich war.

 

ich habe uns beide

um mich betrogen.

 

ich will wieder werden, die ich war.

nicht, damit ich wieder die bin,

in die du dich verliebt hast.

indem ich wieder die bin,

die ich einmal geliebt habe.

die, die sich mit sich im frieden gefühlt hat.

weil sie genau die war, die sie sein wollte.

für niemand anderen.

 

***

 

(Über ein halbes Jahr bin ich jetzt schon auf mich zurückgeworfen. Ich komme mir immer näher. Und es gefällt mir, verdammt nochmal, was ich da sehe! *lach*)