Einzelkind

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In der Welt, in der ich aufwuchs, hatte eine typische Familie zwei bis drei Kinder. Die Freunde meiner Kindheit gehörten samt und sonders zu solchen Musterfamilien. Wenn’s keine zwei Kinder waren, dann drei; wenn nicht drei, dann zwei. Familien mit sechs oder sieben Kindern waren die Ausnahme, aber noch seltener waren Familien mit nur einem Kind.

Wie es der Zufall wollte, war ich eine dieser Ausnahmen, denn ich war ein Einzelkind. Ich hatte deswegen einen Minderwertigkeitskomplex, als sei irgend etwas  an mir abnorm, da mir etwas fehlte, was alle anderen hatten und als selbstverständlich betrachteten.

Ich verabscheute das Wort Einzelkind. Jedesmal, wenn ich es hörte, hatte ich das Gefühl, mir fehle etwas – als sei ich kein ganz vollständiger Mensch. Das Wort Einzelkind pflanzte sich vor mir auf und deutete vorwurfsvoll auf mich.  „Da hapert’s, Junge“, sagte es zu mir.

In der Welt, in der ich lebte, war man allgemein der Überzeugung, Einzelkinder seien verzogen, schwach und egozentrisch. Daran war nicht zu rütteln – so wenig wie an der Tatsache, dass das Barometer fällt, je höher man steigt, und dass Kühe Milch geben.

aus: Gefährliche Geliebte, von Haruki Murakami

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Blog-Fight

Da haben wir den Salat… meine Blogs konflikten miteinander 🙂

Bevor ich beschlossen habe, dass meine Begeisterung für die gewaltfreie Kommunikation einen eigenen Auftritt verdient, hätte ich den Artikel, den ich heute veröffentlichte, hier zu Gesicht gebracht. Aber nun … isser drüben.

Viel Spaß beim Lesen meiner Gedanken über Kauf-Sucht und einen schönen Restsonntag!

Sidestep zum Poli-Tisch

Ich weiß ja nicht, ob Euch das ähnlich geht… aber MIR geht in der letzten Zeit die ganze mediale Aufblaserei ziemlich auf den Zeiger. Es gibt kaum einen Tag, an dem mir nicht durch irgendeinen Kanal mit viel Gewese irgendeine neue ‚Katastrophe‘ entgegen geblasen wird. Nun sitze ich schon nicht mehr vor der Glotze, lese so gut wie nie Zeitung, habe keine Blogs außer denen abonniert, die Persönliches von sich geben… und DOCH kommt der ganze Käse als ‚Information‘ bei mir an. Egal, ob ich mein Postfach öffne oder in meinen Facebook-Account gehe: ‚Katastrophen‘ treiben die Leute um. Und wenn die Natur grad mal nix zu bieten hat, dann erfinden sie halt welche.

Seit einiger Zeit gibt es das Märchen von der eingeschränkten Meinungsfreiheit in unserem Land, wieder einmal hochgekocht durch die neue Veröffentlichung von Hrn. Sarrazin. Da komme ich aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. Ansonsten mir ganz intelligent erscheinende Leute klagen und plärren, laufen geradezu Sturm mit Vorwürfen gegen eine linksgesteuerte Medienwelt. Ein Aufschrei geht durchs Mitte-Rechts-Volk, dass die Demokratie in Gefahr sei. Der linken Gefahr könne nicht weiter Raum gewährt werden, man müsse gegen ihre Gewalt mit Gewalt angehen. Deeskalation sei keine Lösung.

Ja… haben wir sie denn noch alle?

Solche Worte lese ich mit Erschrecken.

Ich hab jetzt mal innerlich fast 50 Jahre zurückgespult. Ganz ehrlich: ich konnte meine Meinung fast immer frei äußern. Wenn es Einschränkungen gab, dann innerhalb meiner Schulzeit. Da war meine Meinung häufig nicht gefragt, jedenfalls nicht wirklich. Da wurden zwar Meinungen abgefragt, aber die Fragen waren oft Scheinfragen: da ging es nicht um EIGENE Meinungen, die gehört werden wollten, sondern um Meinungen, die reproduziert werden sollten. Und wenn ich das nicht gemacht habe, gab es halt eine schlechtere Note. So einfach war das. Nette angepasste tote Leute… das schien bei einigen Lehrkräften das Ziel der Veranstaltung zu sein.

Wenn ich mir das heute bei meinem Sohn so anschaue, haben sich die Zeiten da eher nicht gebessert, sondern verschlechtert. Noch mehr Egalisierung unter dem Mäntelchen von zu reproduzierender Wissensmenge dank PISA. Kein Wunder, dass da immer mehr Kinder versagen, weil sie sich nicht anpassen wollen und den Sinn des Funktionierens einfach nicht zu ihrem eigenen Ziel machen möchten.

Wenn man also über Meinungsfreiheit diskutiert, sollte man vielleicht hier ansetzen. Geben wir unser Bestes, damit unsere Kinder sich eine eigene Meinung bilden können? Bereiten wir ihnen den Boden, auf dem sie sich ausprobieren können? Honorieren wir es, wenn unsere Kinder mit uns nicht übereinstimmen? Sind wir bereit, sie ernst zu nehmen, wenn sie uns ihre Meinung mitteilen oder wiegeln wir sie ab? Sagen oder denken wir, dass sie noch ‚zu klein‘ sind, als dass ihre Meinung Gewicht haben könnte? Helfen wir ihnen dabei, sich zu freien Menschen entwickeln zu können, die für ihre Meinungen einstehen? Machen wir ihnen Mut, nicht aufzugeben, sondern wieder und wieder und wieder den eigenen Kopf zu benutzen und nicht den Kram anderer Leute unreflektiert nachzuplappern? Bieten wir ihnen ein Gegenüber an dem sie wachsen können? Sind wir ihnen ein Vorbild? Oder füttern wir sie mit der Angst, dass sie, wenn sie sich nicht anpassen, später mal ‚ganz unten‘ landen werden?

Für mich ist diese Perspektive eine wichtige. HIER kann ich nämlich selbst etwas tun. Hier findet statt, was wir morgen ernten werden. Das ist in meinen Augen viel wichtiger als abgedroschene Meinungen alter Männer wiederzukäuen.

—snip—

Die in den letzten Tagen vieldiskutierte angeblich eingeschränkte Meinungsfreiheit eines Hrn. Sarrazin geht mir persönlich am Allerwertesten vorbei. Das ist für mich ein Haufen heißer Luft.

Er DARF seine Meinung äußern. Er darf Bücher schreiben und wird verlegt. Er WIRD von Tausenden gelesen und von noch viel mehr Menschen gehört. Er verdient mit seiner öffentlich geäußerten Meinung Geld und zwar nicht zu knapp. Ihm werden keine Auftritte verboten. Sein letzter öffentlicher Auftritt wurde lediglich gestört. Na und? Wen kratzt das? IHN doch nicht. Er hat nicht einen einzigen Nachteil davon, nur Vorteile. Und wo eine Tür sich geschlossen hat, tun sich gleich mehrere weitere für ihn auf. So funktioniert unser System. Weil es ‚Opfer‘ liebt, die zu Siegern gekürt werden.

Heute schon mit Gott gesprochen?

Seit einiger Zeit bekomme ich jeden Morgen ein mal mehr, mal weniger inspirierendes Zitat aus ‚Gespräche mit Gott‘ in mein Postfach gelegt. Manchmal macht es mich nachdenklich, manchmal bringt es mich zum Lachen, manchmal scheint das Zitat nichts mit mir zu tun zu haben, dann wieder erscheinen mir die Aussagen selbstverständlich.

Dieses ist eins von Letzteren:

Wenn du glaubst, daß Gott ein allmächtiges Wesen ist, das alle Gebete hört und zu einigen „ja“, zu anderen „nein“ und zum Rest „vielleicht, aber nicht jetzt“ sagt, dann irrst du dich. An welche Faustregel würde sich Gott denn bei seiner Entscheidung halten?
GmG 1, Seite 34

Ich fand es schon als Kind nicht einsehbar, wie Gott, wenn es ihn denn gibt, unterscheiden soll, welche Gebete er bearbeitet und welche nicht. Auch das Rabattmarkensystem (Verdiene Dir die Gnade Gottes, indem Du immer brav bist.) erschien mir schon früh absurd. Entweder HAT Gott alle Menschen lieb … oder nicht. Differenzierungen wären einem allmächtigen Gott unwürdig. Was wäre das denn für einer, der nicht alle Wesen seiner Schöpfung gleichermaßen liebte? Jedenfalls keiner, dem man allzu viel Aufmerksamkeit zollen sollte.

… fand ich als Kind

… finde ich immer noch.

Falls Ihr auch Lust auf die tägliche Post von Gott durch N. D. Walsh haben solltet: hier bekommt man sie.

Viel Spaß beim Lesen, Nach- und selber Denken!