Glück ist…

IMG_1328

… ein Spiegelei.

Heute Mittag stand ich vor der Qual der Wahl: was soll ich essen? Was WILL ich essen? Die ganze Woche über hatte ich jeden Tag etwas Feines zusammengeköchelt. Immer sorge ich für meine Lieben. Ich überlege mir abwechslungsreiches Essen. Nahrhaftes Essen. Orientiere mich an den Geschmäckern meiner Familie. Sorge dafür, dass ich mich selbst beim Kochen nicht langweile und suche immer wieder neue Herausforderungen in Sachen Zutaten und Zubereitung.

Heute bin ich allein zu Haus. Niemand, der meiner Fürsorge bedarf. Ich könnte essen, was sonst keiner mag. Ich könnte mir ein leckeres Essen voller frischer Zutaten zubereiten… und kein einziges Kohlenhydrat müsste dabei sein, weil nur ICH davon satt werden müsste. Ich könnte das Essen so scharf würzen, wie ich wollte. Es dürfte knallbunt und mit Blüten gewürzt werden. Es dürften ‚Körner‘ im Essen sein. Es dürfte Röstaromen bis zum Abwinken enthalten… Ich schwelge in Ideen und mir läuft schon fast das Wasser im Munde zusammen.

Und dann stehe ich vor dem Kühlschrank und sehe mich die Packung mit den Eiern herausnehmen.

Mit einem glückseligen Lächeln schlage ich mir zwei Eier in die Pfanne. Kein Rührei. Kein Omelett. Keine speziellen Gewürze. Ich schaue den Eiern beim Stocken zu und bin glücklich. Langsam steigt mir der Duft von knusprigem Eiweiß in die Nase. Es schlägt Blasen. Ganz langsam verschwindet das Glibbrige. Ich passe den Moment genau ab, wo alles Eiweiß fest und das Gelbe flüssig aber sämig ist. Nun noch das Ganze auf einem gebutterten Roggenbrot platziert. Einmal mit Pfeffer- und einmal mit der Salzmühle drüber: perfekt.

Spiegelei ist ein Ein-Frau-Essen. Fürsorge nur für MICH.

Spiegelei ist Jugend… jedenfalls die Erinnerung daran: als ich noch keine eigene Familie hatte, habe ich mir regelmäßig mitten in der Nacht zwei Eier in die Pfanne gehauen. Da hat sich niemand am Gekruschel in der Küche oder dem Geruch gestört. Und keiner wollte etwas abhaben.

Spiegeleier sind Autonomie. Sie sagen: Mach, was Du willst. Tu es schnell. Auf den Punkt.

Spiegeleier sind Freiheit. Zwei Eier gehen IMMER.

Spiegeleier sind Genuss. Sie knuspern, sie schmelzen, sie nähren.

Glück kann so banal sein.

Scribble #15 mit Konfetti

IMG_2982Gestern abend war ich noch im Scribble-Flow. Zum ersten Mal habe ich freistehende Formen ausprobiert. Das gefällt mir total gut. Der Kopf muss beim Betrachten arbeiten und die Konturen ergänzen. Das macht es trotz der übersichtlichen Formen interessant. Leider müssen die Augen auch arbeiten, um die Konturen präzise zu füllen… und die müssen sich mittlerweise arg anstrengen.

Erkenntnisse des Tages:

  • Ich komme an einer Nahsichtbrille zumindest zum Zeichnen nicht länger vorbei.
  • Ich freue mich, einen für mich einsichtigen (!) Grund gefunden zu haben, mich um dieses Thema endlich zu kümmern.
  • Offene und klare Formen erfüllen bei mir die Bedürfnisse nach Offenheit, Freiheit und Klarheit.
  • Zeichnen ist eine wunderbare Art der Bedürfnisbefriedigung.

—snip—

*in die tröte blas und aufmerksamkeit heisch*

Das war jetzt übrigens das 100ste Posting in diesem Blog. Ich beglückwünsche mich mal selbst, dass ich es bis hierher geschafft habe und mich von Paleica habe aus dem Blogschlaf wecken lassen 🙂

*konfetti werf und virtuellen schampus für alle bereitstell*

Neues von Gott

Tu nicht das, wozu du dich verpflichtet fühlst, sondern das, wozu du Gelegenheit hast.
GmG 1, Seite 222

Na prima … der hat ja wieder gut reden ^^

*lach*

Ich finde diesen Lebenshilfe-Tipp aus GmG wunderbar und ziemlich anspruchsvoll. Er setzt mehrere Dinge voraus, die nicht unbedingt mit unserem erzieherischen Grundmodell folgen: Inspiration, Achtsamkeit, Verantwortungsbewusstsein, Autonomie, Entscheidungswilligkeit, Selbst-Bewusstsein (das sind so die Dinge, die mir spontan einfallen … vielleicht ist da aber auch individuell noch mehr).

Es ist ziemlich einfach, Pflichten zu erfüllen. Die sind meist bekannt und u. U. sogar irgendwo geregelt und fixiert. Wir haben gelernt, dass es sinnvoll ist, seinen Pflichten nachzukommen. Durch Pflichterfüllung leisten wir einen Beitrag zu gelingender Gemeinschaft. Und: Wo kämen wir denn hin, wenn jeder machte, was er wollte? – Pflichterfüllung ist also nützlich … macht aber meist keinen Spaß.

Pflichterfüllung macht meist keinen Spaß, weil …

  • sie nicht auf unserem eigenen Mist gewachsen ist
  • uns häufig in unseren individuellen Bedürfnissen einschränkt
  • getan werden muss
  • man am Ende bestenfalls Lob aber selten echte Dankbarkeit erntet
  • sie nicht freiwillig ist
  • die Dinge, die man in ihrem Namen erledigen muss, meist langweilig und oft eintönig sind
  • sie einem die Zeit stiehlt, die man lieber mit anderen Dingen verbringen würde
  • man denkt, dass man von anderen dazu gezwungen würde
  • man befürchten muss, bei Nichterfüllung Sanktionen ausgesetzt zu sein

Ist für mich komplett einzusehen, warum Pflichten sich eher nicht so angenehm anfühlen 🙂

Ich fühle mich also erst einmal erleichtert, wenn mir jemand sagt: „Pflichten? Vergiss sie. Haken dran. Braucht kein Mensch. Lassen wir in Zukunft unerledigt.“

Wird vermutlich bei einigen Dingen nicht so gut funktionieren. Da war ja noch die Nummer mit den drohenden Sanktionen (ich denk da grad mal an meine Steuererklärung, die dringend gemacht werden müsste). O.k. Natürlich kann ich es lassen, werde dann aber einen Preis dafür zahlen müssen. Jetzt kann ich mir überlegen, ob ich dazu bereit bin.

Aaaaaber … ich schweife ab … *zurückruder*

Worum es in dem Satz aus GmG eigentlich für mich geht ist nicht, die Dinge zu lassen, sondern sie anders zu tun. Mit einer anderen Grundhaltung:

Ich tue es, nicht weil ich muss oder irgendjemand es von mir erwartet, sondern weil ich es KANN. Raus aus der Opferhaltung, rein in die Wirksamkeit. Wenn ich nicht will, lass ich es eben sein … und übernehme dafür dann die Verantwortung. Auch hier bin ich wirksam.

Ich handele, weil ich die Gelegenheit dazu habe. Das bedeutet, die Gelegenheiten erst einmal wahrzunehmen … sie zuzulassen als Momente, in denen Dinge geschehen können. Vielleicht sogar Gelegenheiten  zu schaffen, um die eigene Wirksamkeit erfahrbar zu machen. Wirklich Gestalterin meines Lebens zu sein. Super fühlt sich das an!

Nur für heute … will ich achtsam nach Gelegenheiten Ausschau halten, in denen ich meine Wirksamkeit erfahren kann. Ich will sie mit Freude ergreifen und mein Bestes geben. Und das Gelungene will ich dann feiern. Wenn ich scheitere will ich lachen … oder weinen … und weitergehen.

Nur zur Übung.

Vielleicht werde ich es morgen dann schon im Ernst so leben 😉

—snip—

Ich wünsche allerseits ein lebendiges Wochenende!