o. T.

 

es ist dunkel

im moment ist alles gut

geborgenheit

deine und meine herztöne

in perfektem miteinander

du nährst mich

ich trage alle schönheit in mir

ich will sie hinaus ans licht bringen

da ist so viel freude

 

doch dann kommt die angst

ich habe noch keine worte für sie

sie ist nicht meine angst

sie ist deine

und sie weiß nicht, wie sie mit mir leben soll

wie sie mit mir leben kann

darum muss ich weg

ich soll sterben

sterben, bevor ich gelebt habe

 

ich weigere mich

ich kralle mich fest

ich verstecke mich

mache mich unsichtbar

unfühlbar

ich rette mich

rette mein ungeborenes leben

rette all das licht,

das ich in die welt bringen kann

 

ich überlebe

ich lebe

ich leuchte

und es kommen menschen in mein leben

die wieder mein licht erlöschen wollen

wieder und wieder

menschen, die mich in meine dunkelsten momente zurückwerfen

die mir meinen lebensmut nehmen

die mich vernichten

 

ich weiß

dass diese menschen

selber not leiden

dass sie es nicht tun

weil an mir etwas verkehrt ist

die es tun

weil ich so, wie ich bin

gefährlich für sie bin

weil sie sich in mir begegnen

 

ich bin wütend

wütend, dass diese menschen

nicht besser für sich gesorgt haben

dass sie all ihren alten schmerz

auf mich schütten

mich dafür verantwortlich machen,

dass sie ihn nun fühlen

und dass sie nicht den mut haben,

durch ihren eigenen schmerz hindurchzugehen

 

ich bin müde

heute zu müde

zu müde, weiterleben zu wollen

zu müde, immer wieder kämpfen zu müssen

zu müde, immer alles annehmen zu sollen

zu müde, immer wieder so hilflos zu sein

zu müde, mit dem lieben aufhören zu können

an einer stelle, wo nichts mehr zu erwarten ist

zu müde, um zu atmen

 

bitte, gott

so es dich gibt

nimm mich doch einfach zu dir

wenn es dich gibt

beende meine qual

wenn es dich gibt

lass mich nicht mehr

fühlen müssen

atmen müssen

 

***

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konsequenz I

 

klarheit im blick

aufgerichtet

schultern zurückgenommen

mutig voranschreitend

eine wahl getroffen

die unvermeidlich schien

die würde bewahren

so sollte es sein

so war es

 

starre im körper

schmerzen in den schultern

blutende brust

die zähne zusammengebissen

husten bis zum erbrechen

innerlich schreiend

nicht mehr aufhören können

nicht mehr atmen wollen

so ist es

 

***

trennungsschmerz

 

nahttrenner

 

herznahttrenner

wie er mir

durch die seele schneidet

stich für stich

auflöst, was zusammen gehört

was halt gegeben hat

was eins sein sollte

 

scheinbar sacht

gewebeschonend

bei genauem Hinsehen

unbarmherzig

mit einem fast unhörbaren Geräusch

das an meinem Herzen

reißt

 

***

 

unbegreiflich

unbegreiflich

die liebe

unbegreiflich

die lust

unbegreiflich

was geschah

der schmerz

 

unvermeidlich

die liebe

unvermeidlich

die lust

unvermeidlich

was geschah

der schmerz

 

begreiflich

der schmerz

begreiflich

die lust

begreiflich

die liebe

 

vermeidlich

nichts

 

was geschah

was ist

was geschieht

 

unvermeidbar begreiflich