Mensch, Werther

 

Scheiß doch auf die Lotte!

Um der Romantik willen

dehnst Du des Herzens Muskel

schlussendlich bis er reißt.

 

Mag sein, sie ist ’ne Flotte

und Du folgst Deinen Grillen,

schreibst Liebe mit Majuskel.

Dein Leben Dir entgleist.

 

Sehnsucht ist nur Marotte,

lass ab um deinetwillen.

Ihre Vorschau von der Schriftart Duerers Minuskeln

 

 

ist schön auch als Minuskel,

nun leb Dein Leben, sei kein Geist!

 

***

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paartanz

 

substanz

tanzbein schwingen

freudentanz

konstanz

instanz

 

reaktanz

aus der reihe tanzen

auf zwei hochzeiten tanzen

eiertanz

akzeptanz

 

distanz

ausgestanzt

totentanz

(es muss nicht enden wie im film)

 

***

 

Meinen Lieblingstotentanz möchte ich noch mit Euch teilen:

Distler: Totentanz

scherzartikel

 

scherzen

herzen

scherz lass nach!

herz lass nach!

sich einen scherz erlauben

sich ein herz erlauben

zum scherzen aufgelegt

zum herzen aufgelegt

nicht zum scherzen aufgelegt

nicht zum herzen aufgelegt

halb im scherz

halb im herz

im scherz fällt so manches wahre wort

ins herz fällt so manches wahre wort

es sich verscherzen

es sich verherzen

 

***

An die Anna in mir

 

 

Oh Du, Geliebte meiner ungezählten Träume, ich wähne Dir!

Ich, meiner, mich mir, Du mir, ich Dir, —- wer?

Das gehört auf jeden Fall hierher!

Wer bin ich, unverschämtes Luderweib, ich bin, bin ich?

Die Leute flüstern, ich wäre.

Lass sie schreien, sie wissen wohl, wo der Hammer hängt.

Ich trage den Wind in meinen Haaren und gehe über Schmetterlingsflügel,

auf Schmetterlingsflügeln tanze ich.

Potzblitz, meine fahlen Klamotten, in Fetzen gerissen,

Nackt liebe ich mich, frei liebe ich mich.

Ich, meiner, mich mir, Du mir, ich Dir, —- wer?

Das gehört auf jeden Fall zu mir!

Wilde, nackte Verrückte, wie hetzen die Leute?

Rätsel:

  1. Ich hab einen Knall.
  2. Ich bin der nackte Wahnsinn.
  3. Wieviel Dezibel hat der Knall?

Laut ist der Gesang meiner leisen Lieder.

Wild ist das Wasser meiner sanften Seele.

Ich glühendes Weib im Rampenlicht,

Ich freches schnelles Tier, ich wähne mir!

Ich meiner mich mir, Du mir, ich Dir, —- wer!

Das gehört, ihr könnt es euch denken —- genau hierher.

Anna in mir, Anna, A—-N—-N—-A!

Ich atme meinen Namen.

Mein Name steigt empor wie linder Frühlingswind.

Ich weiß es, weiß ich es schon?

Man kann mich auch von allen Seiten lieben.

Und ich, ich Einzige von allen,

weiß manchmal nicht, wie ich mich lieben kann.

Winterwind zwickt  mein Gesicht,

zieht Lippen mir zusammen.

Ich wunderliches Tier,

ich —– wähne —– mir!

 

 

***

Ich war mir (fast) sicher

 

Gerade las ich bei Nina einen Text, der mich direkt inspirierte, ihn für mich umzuwandeln, mit eigenen Sichten und Erlebtem zu füllen. Danke für die Inspiration, Du Wunderbare!

 

 

ich war mir sicher,

es gäbe dich.

ich fand dich.

erst irgendwo da draußen,

dann bei dir und bei mir.

wir trafen uns.

du warst mir nah

und ich dir.

ich war mir – naja –

fast sicher.

aber dieses ‚fast‘ reichte mir.

sicherheit war mir nicht so wichtig.

es fühlte sich richtig an.

auch in fast 10 jahren

änderte sich daran nicht viel.

bis ich mich

nicht mehr richtig anfühlte

für dich.

Ich schaue zurück

und stelle fest:

für mich war es richtig.

ohne zweifel.

 

 

***

Unerwartetes Angebot

Mein letzter Tag in Belgien. Ich nehme allein Abschied vom Meer, von den zurückliegenden Tagen, Monaten, Jahren. Von dem, was gut war und von den schmerzhaften Dingen. Ich verlangsame meine Gedanken so lange, bis ich fühlen kann: jetzt ist alles, was zählt.

Und was ich dann fühle ist: Jetzt gerade ist alles gut. Nichts, was gerade an irgendeinem anderen Ort, in irgendjemand anderes Leben, in irgendjemandes Kopf gerade jetzt passiert, spielt irgendeine Rolle. Gerade jetzt… ist Frieden. Und so soll es sein.

Solange ich bei mir bin, bin ich nicht allein.

Und während ich diesen Frieden noch so genieße und Sonne und Wind auf meiner nackten Haut fühle, da nähert sich mir ein Mann. Er bleibt in mir angenehmem Abstand vor mir stehen, nimmt die Sonnenbrille ab und beginnt zu sprechen: „Ich möchte Ihnen respektvoll eine Frage stellen: Wären Sie eventuell an Sex interessiert? Es ist sehr selten, dass Frauen hier allein herkommen. Meist sind es Männer… und die meisten sind schwul.“

Aus diesem Angebot entspann sich ein kurzer Dialog. Ich konnte ihm sagen, dass ich sein Angebot sehr zu schätzen weiß und die Art, wie er mich respektvoll fragt, angenehm finde. Und dass es mir leid täte, ihm sagen zu müssen, dass ich momentan nicht interessiert sei.

Darauf verabschiedet er sich, nicht ohne mir noch einmal zu sagen, dass es ihm eine Freude war, mich anzusprechen, dass ich eine wirklich attraktive Frau sei und er mein ’nein‘ sehr gut hören könne. Er wünschte mir noch einen schönen Abend und erholsame Tage am Meer…

Er ließ mich mit einem Lächeln zurück. Einen Moment zögerte ich, ob ich ihm hinterherschauen sollte. Ich tat es dann doch. Registrierte noch einmal, welch körperliches ‚Sahneschnittchen‘ ich da gerade hatte vorbeiziehen lassen… und freute mich einfach nur des Moments.

Ja. Alles ist gut.