zur übung

die luft

anhalten

vor schmerz

wieder und wieder

zaghaft

einatmen

hoffen

wieder und wieder

scharf einatmend

erwachen

vor schreck

wieder und wieder

mein herz

verschließend

ein langes ausatmen

sage ich

nein

Advertisements

Muffensausen

Wenn ich nicht nur noch

eine davon hätte,

würde ich sagen,

es ginge mir an die Nieren.

Oder ans Herz.

Auf jeden Fall an die Brust.

Mopstollwut.

Nicht unwahrscheinlich.

Aber auch nicht sicher.

Gerade heute

habe ich Angst.

tanz mit mir

eine hand

sanft hingehalten

mit einer weichen

bewegung aus dem handgelenk

öffnet sie sich mir

weich

fragend

bittend

achtsam

 

sie sagt:

ich lade dich ein

schenk dich mir

ich erwarte dich

ich sehe dich

ich bin hier

ich respektiere dich

ich respektiere jede deiner entscheidungen

ich werde dein ja lieben

ich werde dein nein bedauern

aber immer bist du mir willkommen

 

für andere

bin ich nur eine Geste

für dich bin ich

liebe

konjunktiv II

 

dass ich noch mal

grammatik lernen …

dass ich noch mal

gedichte schreiben …

dass ich noch mal

so weinen …

dass ich noch mal

so schreien …

dass ich noch mal

so lieben …

 

du trittst sie mit füßen

ganz real

wenn ich dir jetzt

den rücken zuwende

dann ist es wenig konjunktiv

dann ist es eine antwort

auf was

mir wirklich wichtig ist

 

nur die buchstaben sind

dieselben

Lange Arme

Es waren Deine langen Arme

Die mich hielten

Deine lange Arme

Die mir ein Nest bauten

Deine langen Arme

Die mir Geborgenheit gaben

Die das pure Glück für mich waren

 

Es waren Deine langen Arme

Die mich losließen

Deine langen Arme

Die gingen

Eine andere zu umarmen

Du sagtest:

Damit ihre Arme

Den anderen loslassen könnten

 

Es waren Deine langen Arme

Die keinen Halt mehr boten

Deine langen Arme

Die die Kraft verloren

Deine langen Arme

Die versuchten

Zwei zu halten

Deine langen Arme

Die plötzlich zu kurz waren

Viel-leicht

 

(Kleine Küchenpoesie am Abend)

Viel-leicht

Vielleicht
könntest du
zur Abwechslung ja mal
sie mit mir betrügen.

Auf ihrem Klo sitzen
und mir Herzen schicken.
Mit ihr vögeln
und an mich denken.

Ihr sagen:
Ich liebe Dich.
Und es nicht so meinen.
Es nicht so fühlen.

Geräusche machen.
Es ihr recht machen.
Sie so betrügen,
wie ihr es für mich geplant habt.

Sie hintergehen.
Wie mich.
Wie Dich.
Dich selbst hinters Licht führen.

Vielleicht
ist es irgendwann
zu viel
und nicht mehr
leicht.

Vielleicht
könntest du
zur Abwechslung
mal ehrlich sein.

Nur so zur Übung.
Für den Anfang
zu Dir selbst.
Und dann auch zu mir.

Vielleicht sogar zu ihr.

Und vielleicht
wäre ich
am Ende
sogar noch da.

An Maronen muss Butter

IMG_3726

… sonst wirken sie nicht!

Hallo zusammen 🙂

Ich bin ganz schön versumpft in den letzten beiden Jahren. Vor zweieinhalb Jahren schien die einzig sinnvolle Idee zu sein, in das Haus meines Mannes zu ziehen… in dem auch seine Exfrau lebte und (zu diesem Zeitpunkt) die jüngste gemeinsame Tochter. Frau Nr. 1 war erneut an Krebs erkrankt, wir bekamen eine Kündigung von unserer Vermieterin wegen Eigenbedarfs… Tochter III sollte nicht ‚allein‘ mit der Situation sein. Außerdem wollten wir ja ohnehin irgendwann in dieses Haus ziehen. Nun war ‚irgendwann‘ eben früher.

Ab da ging es mit mir eigentlich nur noch bergab. An der Mordsrenoviererei habe ich mir die rechte Hand kaputtgerobbt. Ich nenne nun einen schmerzhaften Schnappfinger mein eigen, den ich jeden Morgen erst mühsam in Bewegung setzen kann. Immer häufiger tauchten Kopfschmerzen auf. Bauchschmerzen wurden zu chronischen Begleitern. Zu Beginn des Jahres dann eine Schulterentzündung, die mir meine letzten Auftankmöglichkeiten nahm. Sie hält an und ich kann den rechten Arm kaum bewegen. Weder an Gartenarbeit (wie sie nötig wäre) noch an konzentriertes Zeichnen oder Photographieren ist zu denken. Ich kann kein Werkzeug länger halten, keinen Stift sauber über einen längeren Zeitraum führen, die Kamera nicht mehr sicher halten.

Vor anderthalb Jahren ist dann mein vierbeiniger Gefährte chronisch erkrankt. Wegen Krallenentzündung wurde ihm eine Zehe amputiert. Danach begann das Drama an allen vier Pfoten. Die Medikamente, die eh nicht heilten, machten ihn depressiv und er wollte von mir nix mehr wissen. Inzwischen begleite ich ihn alternativmedizinisch, sehe aber, dass es ihm graduell immer schlechter geht. Wenigstens ist er wieder gern bei mir.

Zuschlechterletzt kamen jetzt auch noch Schmerzen in den Füßen dazu. Da muckt es auch und fühlt sich matschig und entzündet an. Anlaufschmerz ist jetzt an verschiedenen Stellen meines Körpers mein zweiter Vorname.

Also: ziemlich viel Mist.

Ich habe nach Auswegen gesucht und keine gefunden, die für mich funktionierten. Zwischenzeitlich dachte ich, dass ich mich von meinem Mann trennen müsste. Liebe war nicht das Problem. Aber ich verlor die Achtung vor ihm, weil ich zu nah miterlebte, wie sehr seine alte Familie und seine Exfrau nach wie vor sein Leben bestimmten. Und damit unser Leben. Ich fand einfach keinen Platz, an dem ich mich frei und lebendig fühlte in diesem Haus.

Vor einigen Monaten dann kam ein Angebot zu mir: 400 km nördlich meiner Wahlheimat, in meiner spirituellen Heimat Steyerberg, wurde eine Lernbegleiterin an einer Freien Schule für Gewaltfreie Kommunikation gesucht! Wow! Endlich etwas, wofür es sich lohnte, meinen Mann zu ‚verlassen‘. Etwas, was mir versprach, meine Lebendigkeit wiederzufinden, meine Wirksamkeit, meine Lust am Leben auch wenn mein Körper jammerte.

Ich zog also ‚in Teilzeit‘ um und kam… vom Regen in die Traufe. Jedenfalls was einige Aspekte angeht. Meine Wohnsituation ist deutlich suboptimal. Eigentlich wohne ich in WG. Uneigentlich gibt es niemanden, der zuverlässig da ist und ansprechbar wäre. Uneigentlich zieht gerade jemand seit zwei Monaten aus… eine andere seit zwei Monaten ein… eine dritte weiß noch nicht, ob sie bleibt. Äh. Eigentlich weiß nicht mal das ‚Haus‘, ob es bleibt. Total verrückt!

Und beruflich? – Da brennt es auch an allen Ecken und Enden. Gerade in diesen Tagen bewegt sich das ganze System erdrutschartig. Und ich? Mittendrin.

Uff.

Aber ich bin zuversichtlich. Unglaublich eigentlich. Die EIGENTLICHE Arbeit bockt nämlich total. Die Kids sind toll. Vielfach ausgestattet mit reichlich Nervensägenpotential aber lebendig und kraftvoll. Heute war ja der letzte Schultag vor den Ferien. Da haben doch glatt 4 von 10 anwesenden SchülerInnen gesagt, dass sie auf Ferien gerade gar keinen Bock haben. Sie würden lieber in der nächsten Woche in die Schule gehen! So ganz verkehrt kann die Sache also nicht sein. – Das Team ist auch prima. Da kann echt was gehen. Aber: Irgendwas ist ja bekanntlich immer. Und daran arbeiten wir jetzt. Mal sehen, was dabei herauskommt.

Manchmal macht mir das Tempo und die Ereignisse auch mulmige Gefühle. Ich würde so gern einen Anker werfen. Aber derzeit ist das Wasser noch zu tief… die See zu bewegt… kein Land in Sicht.

Und dann geh ich den Vierbeiner lüften und entwässern und finde zwei Handvoll Maronen auf keinen vier Quadratmetern. *schnapp*

Meine Kleine ist total glücklich. Butter in die Pfanne, Pilze dazu, etwas Thymian, Peterdulie und noch Salz und Pfeffer. Mmmmmmmmh! Das ist Zuhause. Heimat. Geborgenheit. Dieser nussige Duft und die zart schmelzenden Pilze auf der Zunge. Einfach nur paradiesisch!

Wer hatte Probleme? Ich kann mich nicht erinnern.

Habt einen angenehmen Abend und eine erholsame Nacht!