Unerwartetes Angebot

Mein letzter Tag in Belgien. Ich nehme allein Abschied vom Meer, von den zurückliegenden Tagen, Monaten, Jahren. Von dem, was gut war und von den schmerzhaften Dingen. Ich verlangsame meine Gedanken so lange, bis ich fühlen kann: jetzt ist alles, was zählt.

Und was ich dann fühle ist: Jetzt gerade ist alles gut. Nichts, was gerade an irgendeinem anderen Ort, in irgendjemand anderes Leben, in irgendjemandes Kopf gerade jetzt passiert, spielt irgendeine Rolle. Gerade jetzt… ist Frieden. Und so soll es sein.

Solange ich bei mir bin, bin ich nicht allein.

Und während ich diesen Frieden noch so genieße und Sonne und Wind auf meiner nackten Haut fühle, da nähert sich mir ein Mann. Er bleibt in mir angenehmem Abstand vor mir stehen, nimmt die Sonnenbrille ab und beginnt zu sprechen: „Ich möchte Ihnen respektvoll eine Frage stellen: Wären Sie eventuell an Sex interessiert? Es ist sehr selten, dass Frauen hier allein herkommen. Meist sind es Männer… und die meisten sind schwul.“

Aus diesem Angebot entspann sich ein kurzer Dialog. Ich konnte ihm sagen, dass ich sein Angebot sehr zu schätzen weiß und die Art, wie er mich respektvoll fragt, angenehm finde. Und dass es mir leid täte, ihm sagen zu müssen, dass ich momentan nicht interessiert sei.

Darauf verabschiedet er sich, nicht ohne mir noch einmal zu sagen, dass es ihm eine Freude war, mich anzusprechen, dass ich eine wirklich attraktive Frau sei und er mein ’nein‘ sehr gut hören könne. Er wünschte mir noch einen schönen Abend und erholsame Tage am Meer…

Er ließ mich mit einem Lächeln zurück. Einen Moment zögerte ich, ob ich ihm hinterherschauen sollte. Ich tat es dann doch. Registrierte noch einmal, welch körperliches ‚Sahneschnittchen‘ ich da gerade hatte vorbeiziehen lassen… und freute mich einfach nur des Moments.

Ja. Alles ist gut.

 

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haariges rondell

 

lange haare, langer zopf, lange liebe

sprung ins ungewisse

rapp-zapp-ab!

lange haare, langer zopf, lange liebe

schlotterbuxe voll

aus die büx!

lange haare, langer zopf, lange liebe

sprung ins ungewisse

 

***

farben

 

die traurigen farben,

in die ich mich hüllte,

weil du sie an mir liebtest,

ich streife sie ab.

ich tanze nackt.

 

ich schlüpfe in farben,

die zeigen, wer ich bin.

ich bin kräftig.

ich bin sanft.

ich bin heiter.

ich bin laut.

ich bin lebendig.

ich bin schrill.

ich bin zart.

 

ich bin die, mit den blumen.

die, mit den mustern.

die, die lila-rot-orange feiert,

in pastell schwelgt

und muster mag,

die andere als testbild

bezeichnen würden.

 

ich bin, die ich bin.

 

ich höre auf, mich dir zuliebe

zu verstecken.

ich weiß:

das wolltest du nie.

du hast es nicht gefordert.

 

aber ich habe die skepsis in deinen augen gesehen,

wenn ich in deiner heimat die war, die ich bin.

ich habe das leuchten in deinen augen gesehen,

wenn ich mich in gedeckte farben gekleidet habe.

 

du nanntest sie natürlich.

sie entsprechen deiner natur.

du konntest dich in ihnen wiederfinden.

du konntest dich in mir sehen.

 

ich habe das gern für dich gemacht.

ich habe es aus liebe getan.

ich habe angefangen,

das schwere, traurige,

deiner natur entsprechende zu lieben.

 

weil ich dich liebte.

weil ich wollte, dass du das bekommst,

was du dir wünschst.

ich wollte der spiegel sein,

in dem du dich wiedererkennst.

 

dabei habe ich mich selbst

immer mehr zugedeckt.

bin leiser geworden.

grauer, brauner, fahler, … beige.

 

dabei waren es nicht diese töne,

in die du dich verliebt hast.

du hast dich in die verliebt,

die ich war.

 

ich habe uns beide

um mich betrogen.

 

ich will wieder werden, die ich war.

nicht, damit ich wieder die bin,

in die du dich verliebt hast.

indem ich wieder die bin,

die ich einmal geliebt habe.

die, die sich mit sich im frieden gefühlt hat.

weil sie genau die war, die sie sein wollte.

für niemand anderen.

 

***

 

(Über ein halbes Jahr bin ich jetzt schon auf mich zurückgeworfen. Ich komme mir immer näher. Und es gefällt mir, verdammt nochmal, was ich da sehe! *lach*)

Annas Gram

 

Anna nahm ein Gramm Vertrauen.

Verrat, neu!

Anna nahm noch ein Gramm Vertrauen

Tarn-Revue…

Au, nervt er!

Anna gab das Gramm zurück.

Anna gab den Gram zurück.

Anna ging.

 

***

 

(In der letzten Zeit ist mein innerer Anagramm-Generator wiedererwacht. Als Grundschulkind wurde er geweckt und ich habe wirklich Stunden damit zubringen können, Wörter so lange zu schütteln, bis keine neuen mehr herausfielen. Schön, wenn Kindheitskompetenzen wieder lebendig werden!)

partNERVereinbarung

 

(Eine Sammlung von Zuständen, die ich lieber nicht gehabt hätte, die aber unvermeidbar schienen.)

((… und leider scheine ich mich, aufgrund der Auswirkungen jüngster Vergangenheit, in nahezu dauergenervtem Zustand zu befinden… alles ist mir zu viel. Frieden wär toll. Und Ruhe.))

 

nervig

genervt

nerv mich nicht

nervensäge

nerven wie drahtseile

das kostet nerven

nerven zum zerreißen gespannt

das geht an die nerven

dazu hab ich nicht die nerven

meine nerven versagen

mit den nerven fertig

es zerrt an meinen nerven

die nerven verlieren

die nerven behalten

DU hast nerven!

geh mir nicht auf die nerven

nervös

nervenbündel

entnervend

entnervt

mit den nerven am ende

das trifft einen nerv

das trifft den nerv

lebensnerv

nerven blank

 

aua

 

***